Prolog

Diese Kurzgeschichte erzählt vom Erfinder des Bitcoin und basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten. Alle Informationen habe ich aus verschiedenen Quellen im Netz zusammengesammelt. Zu beachten ist allerdings, dass ich bei keiner Quelle genau nachgeforscht habe, inwieweit sie korrekt sind. Daher solltet ihr das Folgende nicht als knallhart recherchierten Artikel verstehen, sondern eher als urbane Legende. Aber wie alle Legenden hat auch diese einen wahren Kern …

Satoshi Nakamoto

Am 1. November 2008, während die Welt noch tief in der Finanzkrise steckte, tauchte in einer Mailingliste für Kryptografie ein Whitepaper mit dem Namen "Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System" auf. Das Dokument, das von einem anonymen Nutzer namens Satoshi Nakamoto stammt, beschreibt ein neuartiges Währungssystem, welches ganz ohne Banken auskommt. Das Konzept fand schnell Gefallen unter den Mitgliedern der Community. Nur wenige Monate später veröffentlichten einige Cypherpunks – so nannte sich die Community –unter der Führung von Satoshi Nakamoto den ersten lauffähigen Prototypen des Bitcoin Clients. Kurz darauf folgte die erste Geldtransaktion, initiiert von Satoshi Nakamoto.

Etliche Jahre später – das Bitcoin-Netzwerk wuchs derweil ebenso wie die Kurse – verschwand Satoshi Nakamoto 2010 spurlos. Seine Accounts, über die er üblicherweise in den Mailinglisten und auf diversen Plattformen kommunizierte, schwiegen urplötzlich. Die Weiterentwicklung des Bitcoin-Projekts gab er kurz vor seinem Verschwinden in zuverlässige Hände ab.

Doch mit steigender Popularität des Bitcoin und immer höher fliegenden Kursen stellten sich mehr und mehr die Frage, wer der Urheber der Bitcoin-Idee, der Vater aller Kryptowährungen überhaupt war. Wer war Satoshi Nakamoto? Über die zwei Jahre, in denen er aktiv an der Entwicklung beteiligt war, gab er nie seine Identität bekannt. Alles, was man über ihn wusste, waren die Nachrichten und Profile, die er im Netz hinterließ. Seitdem rätseln Journalisten, Cypherpunks und Fans über die wahre Identität des Satoshi Nakamoto, analysieren seine Hinterlassenschaften und stellen wilde Theorien auf. Wer war Satoshi Nakamoto?

Dorian Nakamoto

Im schönen Kalifornien lebte ein Physiker namens Dorian Nakamoto, der 2014 von etlichen Journalisten heimgesucht wurde. Der Grund: Irgendjemand hatte ihn als Bitvoin-Gründer ausgemacht. Und das war auf den ersten Blick auch gar nicht so abwegig. Dorian Nakamoto kam aus Japan, trug den Geburtsnamen Satoshi und hatte als Ingenieur an diversen Computerprojekten mitgewirkt. Als er jedoch von den Journalisten zu Bitcoin befragt wurde, bestritt er jegliche Verbindung zur Kryptowährung, meinte sogar, noch nie zuvor davon gehört zu haben. Weitere Anhaltspunkte oder gar Beweise, dass Dorian auch nur im Entferntesten mit Bitcoin zu tun hatte, gab es nicht. Der Mann wurde kurze Zeit später wieder in Ruhe gelassen.

Hal Finney

Harold Thomas Finney, der nur einen Steinwurf von Dorian Nakamoto entfernt wohnte, war Softwareentwickler und ein brennender Cypherpunk. Mit seiner Firma, der PGP Corporation, entwickelte er ein kryptografisches Verfahren zur Verschlüsselung von Daten. Bis heute ist PGP noch ein weit verbreitetes Mittel zur Verschlüsselung von E-Mail-Nachrichten.

Zum ersten Mal erfährt er 2009 von Bitcoin und geht sofort als erster Empfänger einer Bitcoin-Transaktion in die Geschichte ein. Er empfing 10 Bitcoin von Satoshi Nakamoto. Bis 2010 verliert er das Projekt angeblich aus den Augen und ist überrascht, als er erfährt, wie sich Bitcoin weiterentwickelt hat.

Etwa ein Jahr zuvor wurde bei ihm die Nervenkrankheit ALS diagnostiziert. War das unter Umständen der Grund, warum Satoshi Nakamoto im Dezember 2010 sämtliche Aktivitäten einstellte? Hat ihn eine Krankheit zum Aufhören gezwungen? War Finney vielleicht Nakamoto? War die erste Transaktion nur ein Test, bei dem sich Nakamoto/Finney selbst 10 Bitcoin überwiesen hat? Und war es bloß Zufall, dass Finney nur wenige Kilometer von Satoshis Namensvetter Dorian Nakamoto entfernt wohnte?

2014 starb Finney. Noch heute gilt er als potenzieller Bitcoin-Erfinder, was er bis zuletzt allerdings bestritt.

Dave Kleiman

Dave Kleiman war Computer-Forensiker und Autor mehrerer Fachbücher. Sein Spezialgebiet: IT-Sicherheit. Er hatte immense Kenntnisse über Computernetzwerke und war in diversen Foren und Mailinglisten aktiv. Wenn es jemanden gab, der im World Wide Web seine Identität geheimhalten konnte, dann war er es.

Kleiman war bereits 2009 in die Verbreitung von Bitcoin involviert und gründete 2011 eine Firma, die sich auf das Schürfen von Bitcoin spezialisierte. In dieser Zeit sammelte er, zusammen mit einem Mitgründer, eine riesige Menge an Bitcoin an, die bis zum heutigen Tag noch fast unberührt in der Bitcoin-Blockchain schlummert. In der Summe geht es um Bitcoin im Wert von mehreren Milliarden Dollar.

Doch Kleiman tat all dies mit einem großen Handicap: Er war nach einem Motorradunfall abseits der Brust gelähmt und seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Und als wäre das nicht schon schwierig genug für ihn, infizierte sich eine seiner Wunden 2010 an den gefährlichen MRSA-Keimen. Nach einer dreijährigen, erfolglosen Behandlung stirbt er an dessen Folgen. Auch bei ihm liegt eine seltsame Überschneidung mit dem Verschwinden von Satoshi Nakamoto vor. Seine Keiminfektion muss ungefähr zu gleichen Zeit passiert sein.

Einige sind fest davon überzeugt, dass Kleiman seine wahre Identität hinter Satoshi Nakamoto verschleiert hat, um sich und seine Familie vor ungewollten Besuchern zu schützen. Andere hingegen glauben, Beweise gefunden zu haben, dass er es nicht gewesen sein konnte. Fakt ist: alleine hätte er Bitcoin nicht erschaffen können. Dazu fehlten ihm die Fähigkeiten in der Programmierung. Aber die Idee und die Konzeption könnten durchaus aus seiner Feder stammen.

Craig Steven Wright

Craig Steven Wright war ein Bekannter von Dave Kleiman und Mitgründer der Firma W&K, die sich auf das Schürfen Bitcoin konzentriert hatte. Auch der gelernte Computer-Wissenschaftler stieg früh mit in die Weiterentwicklung der Kryptowährung ein. Wie Kleiman veröffentlichte auch Wright diverse Fachbücher und war mit der Publizierung von wissenschaftlichen Dokumenten vertraut. Er wäre daher durchaus in der Lage gewesen, das berühmte Whitepaper zu Bitcoin verfasst zu haben. So ist es nicht verwunderlich, dass sein Name mehrfach mit Satoshi Nakamoto in Verbindung gebracht wurde.

Im März des Jahres 2016 platzte dann die Bombe: Wright gab in einem Artikel auf seinem Blog öffentlich zu, Sataoshi Nakamoto zu sein. Gleichzeitig lieferte er einen angeblichen kryptografischen Beweis für die Echtheit seiner geheimen Identität. In einem BBC-Interview sprach er wenig später über die Gründe und gab an, nie wieder vor eine Fernsehkamera treten zu wollen. Damit war das Rätsel um den mysteriösen Bitcoin-Erfinder gelöst! Oder doch nicht?

Im Netz regte sich Zweifel über die Authentizität des angeblich kryptografischen Beweises. Mehrere Entwickler des Bitcoin-Projekts wehrten sich gegen Wrights Behauptung, nannten ihn sogar einen Betrüger. Auch den angeblich kryptografischen Beweis entlarvten sie als falsch. Dazu kamen Wrights Steuerschulden, die die Argumente seiner Gegner stärkten: Wright soll aus Habgier vorgegeben haben, Erfinder des Bitcoin zu sein. Zwar konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Wright tatsächlich hinter Satoshi Nakamoto stand, doch den eindeutigen Beweis dafür bleibt er der Netzgemeinde bis heute schuldig. Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen, einen Beweis zu liefern, denn der echte Satoshi Nakamoto muss Zugriff auf die allerersten Bitcoin haben und hätte sie daher einfach nur auf eine andere Adresse transferieren müssen.

Nick Szabo

Nick Szabo war IT-Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Kryptografie. Schon früh beschäftigte er sich mit dezentralen Netzwerken und Kryptowährungen, lange bevor es Bitcoin gab. Seine Blogartikel zum Thema "Bit gold" zeigten bereits erste Konzepte, die später in Bitcoin aufgegriffen wurden. Über das Grobkonzept kam sein "Bit gold" aber nicht hinaus.

Aufgrund seiner sehr frühen Blogartikel zu dem Thema kamen immer wieder Spekulationen auf, dass Szabo seine Konzepte in ausgefeilter Form später unter dem Namen Satoshi Nakamoto veröffentlicht hatte. Auf Nachfragen lehnte er diese Spekulationen aber stets vehement ab. Auf Twitter schrieb er: "Nicht Satoshi, aber vielen Dank.". Verstummt sind Szabos Satoshi-Befürworter dennoch nicht.

Epilog

Finney, Kleiman, Wright, Szabo: Wer war denn nun Satoshi Nakamoto? Wer war der Erfinder des Bitcoin? War es womöglich jemand völlig anderes, jemand, mit dem gar niemand gerechnet hat? Oder war er möglicherweise keine einzelne Person, sondern eine Gruppe, die sich aus unterschiedlichen Mitgliedern zusammensetzte? Und warum war er Ende 2010 gänzlich von der Bildfläche verschwunden? Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Rätsel jemals gelöst wird und Satoshi Nakamotos wahre Identität ans Licht kommt. Die viel interessante Frage ist doch, ob die Welt überhaupt die Person hinter der Lichtgestalt kennen muss. Vielleicht leben wir besser mit der Legende, um unsere eigenen Vorstellungen und Ideale in den anonymen Bitcoin-Erfinder projizieren zu können – der Person, die unsere Finanzwelt ordentlich durchgewirbelt hat.

Aber ich möchte den Artikel an dieser Stelle nicht beenden, ohne meine eigene Einschätzung abzugeben. Denn eine der vorherrschenden Meinungen ist, dass hinter Satoshi Nakamoto ein ganzes Team stand, eine Gruppe von drei oder vier Cypherpunks, Entwicklern und Cyber-Experten, die alle das gleiche Ziel verfolgten: Sie wollten eine dezentrale Währung erschaffen, die unabhängig vom bisherigen Bankensystem lief. Den Grundstein dafür legte Szabo mit seiner Idee zu "Bit gold". Finney, Kleiman und Wright ließen sich von der Idee inspirieren. Vermutlich trafen sie sich in irgendeiner Mailingliste oder einem Forum und kamen so in Kontakt. Zusammen erarbeiteten sie das Whitepaper zu Bitcoin und brachten die Programmierung ins Rollen. Den Schlüssel zum Vermögen, das sie zu Beginn des Netzwerks schürften, behielt IT-Security-Experte Kleiman oder sie zerlegten ihn in drei Teile. Möglicherweise beschlossen sie zu dritt, das Vermögen aufzubewahren und später zu spenden oder untereinander aufzuteilen. Als Finney und Kleiman starben, blieb Wright als Letzter übrig. Da er wusste, dass ihm nun niemand mehr die Identität von Satoshi Nakamoto streitig machen konnte, ging er an die Öffentlichkeit, um Satoshis Vermögen für sich zu beanspruchen. Den Schlüssel jedoch nahmen Kleiman und Finney mit ins Grab. Klingt zunächst plausibel, ist aber reine Spekulation meinerseits. Wer auch immer Satoshi Nakamoto war, soviel ist sicher: Er bietet eine Menge Potenzial für Legenden und Geschichten!